55. Körperspannung verstehen: Was innerer Halt wirklich mit dem Nervensystem zu tun hat.
Shownotes
Eine Hörerin hat mir einen Instagram-Post über Körperspannung und inneren Halt geschickt und mich gefragt: „Wie siehst du das eigentlich?“ In dieser Folge schaue ich mir die Aussagen aus diesem Post genauer an und erkläre, warum einige der dort gemachten Aussagen aus meiner Perspektive zu kurz greifen.
Wir sprechen darüber:
- warum Körperspannung nicht automatisch Stress bedeutet
- was organisierte Spannung im Körper ist und wie eine kompensatorische Spannung entsteht
- warum unser Körper eine gewisse Spannung braucht, um sich zu organisieren
- wie innerer Halt im Nervensystem entsteht
- warum Ko-Regulation und Beziehung dabei eine zentrale Rolle spielen
- weshalb Entspannung ohne Sicherheit für manche Nervensysteme sogar Angst auslösen kann Außerdem spreche ich über das Tensegrity-Prinzip – ein Modell aus der Biomechanik, das beschreibt, wie Stabilität im Körper durch das Zusammenspiel verschiedener Spannungen entsteht.
Links aus der Folge: Continuum Membership: Wenn du Fragen hast, tiefer in deine eigene Nervensystemarbeit eintauchen möchtest oder dir individuelle Impulse wünschst, kannst du Teil der Continuum Membership werden. Dort beantworte ich regelmäßig eingereichte Fragen im exklusiven Podcast. 👉 https://izabelarauschen.de/membership/
Podcastfolge zum Behaviorismus In dieser Folge spreche ich darüber, wie Behaviorismus unsere Sicht auf Entwicklung und Verhalten geprägt hat und warum diese Perspektive aus nervensystemischer Sicht zu kurz greifen kann.
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Transkript anzeigen
Podcast RR Folge No.55 Körperspannung
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(0:10 - 0:26)
Vergiss alles. Alles, was du bisher über Nervensystemregulation oder Persönlichkeitsentwicklung gehört hast. Ich bin Isabella Rauschen, Ärztin, Nervensystem-Expertin und deine Brücke zwischen dem Wissen und deiner Verkörperung.
(0:26 - 0:52)
Das Missing Link zwischen all der inneren Arbeit, die du hinter dir hast und deiner gelebten Realität. Dieser Podcast ist für dich, wenn du viel gemacht, viel geheilt, viel verstanden hast und es sich trotzdem so anfühlt, als wärst du noch nicht ganz in dir gelandet. Und das hier ist kein weiterer typischer Coaching-Podcast.
(0:52 - 1:32)
Das hier ist Nervensystemarbeit jenseits von Quick-Fixes und pseudosomatischen Übungen. Ich begleite dich unterhalb deiner Geschichte, dorthin, wo Veränderung nicht gedacht, sondern gespürt wird. Welcome to Radically Regulated.
Hier beginnst du, dich zu erinnern, wer du wirklich bist. Hallo meine Liebe und herzlich willkommen zu der heutigen Podcast-Folge und ich freue mich total, hier zu sein. Denn heute greife ich eine Frage auf, die mir eine meiner Kundinnen geschickt hat.
(1:32 - 1:57)
Das ist schon eine Weile her, dass sie das getan hat. Und ich habe mich heute Morgen endlich, endlich damit auseinandergesetzt. Denn es ging um einen Instagram-Post, der mir geleitet wurde und sie fragte mich, Isa, wie stehst du dazu eigentlich? Wie siehst du das? Und es war ein Post über Körperspannung und Halt.
(1:58 - 2:15)
Und meine Kundin hatte angedeutet, dass es sie auch sehr irgendwie verwirrt, dass da irgendwie Verwirrung aufkommt. Sie hat das auch mehrfach lesen müssen. Sie wollte gerne einfach meine Perspektive dafür oder dazu hören.
(2:16 - 3:09)
Und ich finde diese Frage sehr spannend, weil sie uns direkt zum Thema führt, dass im Nervensystemfeld unglaublich oft missverstanden wird. Nämlich, was ist überhaupt Körperspannung? Was ist Halt? Wie hängen diese beiden Dinge wirklich zusammen? Und ich muss gestehen, ich habe diesen Instagram-Post selber auch mehrfach lesen müssen, weil ich sicher sein wollte, dass ich hier nicht irgendwie, dass ich nicht eine, also anders, dass ich keine unberechtigte Kritik hier rauslasse. Sondern, dass ich das wirklich differenziert angucke und dann würde mir wirklich klar, dass in diesem Post mehrere Dinge miteinander vermischt werden, die aus meiner Perspektive eigentlich sehr klar getrennt und unterschieden werden müssten.
(3:09 - 3:42)
Und deswegen ergibt dieser Post für jemanden, der schon eine Weile in meiner Welt unterwegs ist, ich will nicht sagen wenig Sinn, aber es führt zur Verwirrung. Und genau darüber möchte ich heute sprechen. Wie hängen Körperspannung, Halt, unsere Entwicklung und so weiter zusammen? Und ich starte damit, dass ich dir die ersten Slides vorlese, ohne sie zu kommentieren.
(3:42 - 4:26)
Und du musst dir das überhaupt nicht merken, weil ich werde, wenn ich gleich teache, einiges da so ein bisschen auseinandernehmen. Und zwar geht dieser Post so los. Die Spannung, die dein Körper aufbaut, hat einen Zweck.
Sie ersetzt fehlenden Halt. Wenn dein Körper immer wieder viel Spannung hält, reagiert er auf das, was er nicht ausreichend hatte. Spannung ist oft kein Zeichen von Stress oder Nervensystemaktivierung allein, sondern von fehlendem Halt in deinem Leben.
(4:28 - 4:35)
Slide 3. Halt bedeutet für dein Nervensystem. Ich werde getragen. Ich muss jetzt gerade nichts leisten.
(4:35 - 4:59)
Ich darf einfach sein. Ich bin nicht allein. Und dann führt sich das noch so ein bisschen weiter.
Wenn dieser Halt fehlt, dann was macht dann der Körper? Und so weiter und so fort. Spannung ersetzt den Halt, der von außen oder innen nicht verlässlich war. Und ich möchte aber gar nicht so noch weiter in diesen Post einsteigen, weil eigentlich muss das gar nicht sein.
(5:02 - 5:31)
Lass uns drüber sprechen. Was ist also Körperspannung und Halt? Und ich werde das für dich wirklich sehr greifbar machen und zeigen, warum dieser Post nicht korrekt ist. Wenn wir das Ganze entwicklungsbiologisch und somatisch betrachten, dann wird ziemlich klar, dass Körperspannung nicht einfach nur Anspannung ist.
(5:32 - 6:03)
Halt ist auch nicht nur ein psychologisches Gefühl, aber es geht auch darum, wie sich der Körper organisiert und wie ein System überhaupt lernen kann, sich selber zu halten. Viele Menschen hören das Wort Körperspannung und denken sofort an Stress oder Anspannung. Körperspannung ist gleich Anspannung und Stress.
(6:04 - 6:15)
Und das ist das, was sie auch im ersten Slide sagt. Die Spannung, die dein Körper aufbaut, hat einen Zweck. Sie ersetzt fehlenden Halt.
(6:15 - 6:42)
Nun ja, Körperspannung ist aber auch ein struktureller Halt. Unser Körper braucht eine gewisse Grundspannung, damit der Körper sich überhaupt halten und organisieren kann, damit wir überhaupt stehen können. Das heißt, man könnte sagen, wir haben entweder zu wenig Spannung und eher dieses Gefühl von Kollaps oder eben Haltlosigkeit.
(6:42 - 7:05)
Oder aber auch, wir haben zu viel Spannung und dann haben wir so eine Überkontrolle, sind zu rigide, könnte man sagen. Und wenn wir aber ein reguliertes System haben, dann haben wir eine Mitte, da haben wir etwas dazwischen. Und diese Mitte können wir organisierte Spannung nennen.
(7:05 - 7:43)
Weil es organisiert den Körper in Bezug zu sich selber, zu diversen Körperteilen und zu der Umgebung. Und damit das jetzt gerade nicht so langweilig und so fachlich wird, was heißt also diese organisierte Spannung genau? Und da ist mir ein bestes Beispiel gekommen von unserem Urlaub letztes Jahr in der Normandie, als wir zelten waren. Stell dir vor, du hast ein Zelt und wenn du ein Zelt aufstellst, dann haben wir diverse Kräfte, die dafür sorgen, dass dieses Zelt stabil ist.
(7:44 - 8:08)
Es gibt Stangen, die nach oben gehen und drücken, die drücken nach oben. Dann gibt es Seile, die ziehen nach außen und dann gibt es noch einen Stoff, der sich so dazwischen spannt. Und kein Teil von diesem Zelt arbeitet alleine und alles zieht und hält gleichzeitig und genau dadurch steht dein Zelt stabil.
(8:08 - 8:34)
Wenn da irgendwas zu locker ist, dann fällt das Zelt vielleicht in sich zusammen. Oder wenn es zu stark, wenn es zu viel Spannung gibt, dann verzieht sich das Zelt, dann ist die Form irgendwie so komisch durcheinander. Und das bedeutet, dass wenn alle Kräfte miteinander im Gleichgewicht sind, dann haben wir eine organisierte Spannung.
(8:36 - 8:50)
Und jetzt können wir uns vorstellen, dass unser Körper auch so ein Zelt ist. Wir haben diverse Muskeln, Faszien, Knochen, Organe. Wir haben das Meso und so weiter.
(8:51 - 9:10)
Und alles im Körper zieht und hält sich gegenseitig sozusagen. Es soll gut organisiert sein, damit es nicht anstrengend ist, aufrecht zu sein. Der Körper trägt sich sozusagen von selbst.
(9:12 - 9:25)
Wir können nicht sagen, nur Entspannung ist richtig. Zum Beispiel, wenn ich an unser Kiefergelenk denke und unseren Mund. Das funktioniert da andersrum.
(9:26 - 9:49)
Wir brauchen also eine gesunde Art an Spannung, die organisiert ist, sodass unser Körper sich mühelos wie von selbst tragen kann. Das heißt, erster Satz von ihr, die Spannung, die dein Körper aufbaut, hat einen Zweck. Und da steht, sie ersetzt fehlenden Halt.
(9:50 - 10:18)
Haben wir gerade gesagt? Könnte sein, muss aber nicht. Welche Art an Spannung ist es, von der wir sprechen? Ja, sie spricht also von einer Spannung, die kompensatorisch da sein muss. Wenn dieser organisatorische Halt, wenn unser Zelt sozusagen nicht aufgebaut werden kann, wie es gedacht war.
(10:18 - 10:36)
Okay, ich könnte das gerne so lassen. Da müsste ich gar nicht kommentieren, weil es sind auch Instagram Posts und man kann auch nicht alle super differenziert darstellen. Nichtsdestotrotz war es mir wichtig, wenn wir hier teachen, dass ich dir das auch noch mal aufzeige.
(10:38 - 11:10)
Was mir dabei auch noch mal wichtig zu sagen ist, das zeigt, dass der Körper kein Haufen von irgendwelchen Teilen ist, wie Legosteine, sondern ein lebendes Netzwerk von Spannungen, die sich gegenseitig halten. Und das ist im Endeffekt reine Biomechanik. Das ist eigentlich ein super langweiliger Teil, der mich früher überhaupt nicht interessiert hätte, muss ich zugeben.
(11:10 - 11:45)
Nichtsdestotrotz finde ich das wichtig und vielleicht, wenn du Mama bist und ein Baby hast oder dein Kind das Spielzeug hat, gibt es ja diese O-Bälle, die man gerne für die Kinder kauft, aber es gibt auch diesen anderen Bal quasi mit so dünnen Holzstäben, die dann nicht fest miteinander verleimt sind, sondern mit so elastischen Gummibändern verbunden. Und dann entsteht so ein gitterartiges Kugelgerüst. Ich weiß gar nicht, wie man das nennt.
(11:45 - 11:54)
Vielleicht weißt du, was ich meine. Das sind so kleine bunte Holzkugelchen, die auch auf so Stäben drauf sind. Und das ist alles durch so elastische Bänder miteinander verbunden.
(11:54 - 12:21)
Und das ist im Endeffekt ein Tensegrity-Prinzip hier. Das ist etwas, was ich vom Jap Wanderwal gelernt habe, wo man sich auch vorstellen kann, warum dieses Zelt Halt hat, warum unser Körper eine Spannungsintegrität aufbauen kann. Tensegrity-Prinzip.
(12:23 - 12:57)
Tensegrity kommt im Endeffekt von Tensional Integrity, also Spannungsintegrität. Und weil wir Menschen auch lebende Prozesse sind, verändern und entwickeln wir uns immer in Bezug zu unserer Umgebung. Das heißt, kann ich so ein Tensegrity-Prinzip, kann ich so ein gutes, organisiertes Zelt, gut organisierten Körper aufbauen, wenn mir ein Halt fehlt? Das ist das, was in diesem Post gechallenged wird sozusagen.
(12:59 - 13:13)
Und hier ist was ganz Wichtiges. Wir lernen Halt nicht alleine. Wir können keine organisierte Spannung von alleine aufbauen.
(13:14 - 13:26)
Die geschieht immer in Beziehung. Ganz am Anfang unseres Lebens. Das passiert über Gehaltenwerden, Getragenwerden, rhythmische Bewegungen, Körperkontakt, Korregulation.
(13:27 - 13:38)
Der Körper eines Babys lernt dadurch etwas sehr Grundlegendes. Ich werde gehalten. Und was bedeutet das für das Baby? Ich bin sicher.
(13:39 - 14:11)
Ich werde gehalten, ich bin also sicher, also hat mein Körper die Fähigkeit, sich genauso zu entwickeln, wie dieses Zelt gedacht war, wie mein Körper gedacht war. Und somit organisiere ich entsprechend meinen Muskeltonus, Faszien, Gleichgewicht, Nervensystem, Knochen und so weiter und so fort. Aus diesem äußeren Gehaltenwerden, aus diesem äußeren Halt, entsteht später ein innerer Halt.
(14:14 - 14:40)
Das ist ganz, ganz, ganz wichtig. Das Gefühl, ich werde gehalten im Leben, das aus einer unendlichen Quelle an Urvertrauen in das Leben, in sich selber, in Menschen. Das ist, was einem inneren Halt entspricht und was wir dann mit bloßem Auge in so einem Körper sehen und fühlen können.
(14:41 - 14:59)
Insbesondere, wenn wir ein geschultes Auge auch haben, mit dieser Nervensystemperspektive, wissen wir das ganz genau, wer was wie hält oder eben nicht hält. Und damit gemeint ist nicht diese organisierte Spannung, sondern diese kompensatorische. Da komme ich gleich noch drauf zu sprechen.
(15:01 - 15:13)
Okay, wir haben gesagt, es braucht diese Erfahrung von Halt. Das gibt mir Sicherheit. Und erst dann kann ich mich genauso organisiert gestalten.
(15:14 - 15:27)
Viele Menschen, viele von uns haben diese Erfahrung nur begrenzt gemacht. Ja, zum Beispiel, weil die Bezugspersonen selbst sehr stark belastet waren, sehr früh viel Stress. Da war Trennung, Überforderung.
(15:27 - 15:46)
Ja, das Ganze, worüber wir hier immer sprechen, was einem Early Developmental Trauma entspricht, Präperinatalen, dann der ganze Kindheit. Und die Ursprünge davon oder einen Teil davon habe ich in einer Folge über Behaviorismus aufgegriffen. Wenn du möchtest, kannst du da gerne reinhören.
(15:46 - 16:04)
Die verlinke ich dir hier auch. Das heißt, der Körper kann durch die Erfahrung nicht stabil lernen, ich werde gehalten, sondern ich muss selber mich irgendwie zusammenhalten. Das ist ein riesengroßer Unterschied.
(16:07 - 16:21)
Und das ist das, was hier aufgegriffen wird, wenn der innere Halt fehlt, versucht der Körper trotzdem, ihn zu erzeugen. Ja, das ist das, was sie in diesem Post schreibt. Ja, der Körper reagiert auf das, was er nicht ausreichend hatte.
(16:22 - 16:48)
Womit ich aber nicht d'accord bin und absolut nicht nachvollziehen kann, ist das, was im zweiten Slide gesagt wurde. Spannung ist oft kein Zeichen von Stress- oder Nervensystemaktivierung, sondern von fehlendem Halt in deinem Leben. Da frage ich mich, wenn ich doch weiß, und darüber haben wir gerade gesprochen, wie das Gefühl vom Halt entsteht, was wir dafür brauchen.
(16:49 - 17:18)
Wenn ich doch das Gefühl vom fehlenden Halt habe, da bin ich alles andere als entspannt. Da habe ich ja Stress ohne Ende. Weil für ein Baby, ein Säugling, einen kleinen Menschen ein Gefühl vom fehlenden Halt zu erleben, ist gleichzusetzen mit So bildet sich unser Gefühl vom Gehaltenwerden.
(17:18 - 17:36)
Und wenn ich das Gefühl habe, das bekomme ich nicht, da habe ich wohl Stress. Und da habe ich wohl eine massive Aktivierung in meinem System. Deswegen kann ich diese Aussage überhaupt nicht nachvollziehen, wie es ein Ausdruck vom fehlenden Halt sein sollte, aber kein Stress und keine Aktivierung.
(17:37 - 18:05)
Das macht für mich überhaupt gar keinen Sinn, leider. Und wir können eben dieses Gefühl vom fehlenden Halt und die Unfähigkeit des Körpers, sich gesund zu organisieren, auf zwei Arten kompensieren. Entweder erzeugt der Körper diesen Halt über Muskelspannung und dann haben wir diesen ganz festen Bauch oder die Schultern, die sich nicht entspannen können.
(18:05 - 18:32)
Oder einfach eine grundsätzliche, sehr starke Kontrolle im Körper. Und das fühlt sich stabil an, kostet aber sehr viel Energie. Das ist, als ob du dieses Zelt fast auf Biegen und Brechen volle Lolle aufspannen müsstest, weil da Teile fehlen, die eigentlich diese mühelose Spannung gewährleisten sollten.
(18:32 - 18:54)
Das heißt hier bei dieser Überspannung hält sich der Körper durch Kraft. Oder aber auch andere Körper reagieren anders und das ist dadurch bedingt, wie unsere Erfahrungen waren. Andere Körper reagieren eher als dieses Zusammensacken, so eine diffuse Spannung.
(18:54 - 19:05)
Da ist ein bisschen was da, aber nicht so richtig. Da ist wenig Kraftgefühl und hier fehlt die Struktur komplett. Das Nervensystem findet keinen stabilen Halt.
(19:07 - 19:54)
Und wenn du manchmal durch die Straßen läufst, und das sage ich meinen Kundinnen auch immer wieder gerne, und Menschen beobachtest, dann sieht man, wer ist so total angespannt und total gerade und total funktional und wer ist so, dass ich das Bedürfnis hätte, von oben zu kommen und so ein bisschen Struktur zu schenken. Da sind auch diese Menschen, und das meine ich überhaupt nicht bewertend, aber da ist so ein bisschen was wie so Gummiartiges dran. Da fehlt so die Struktur.
Die sind so ein bisschen zerfließend. Das ist reine Beobachtung in dem Sinne. Und daran sieht man sofort, welche Art an Kompensation das System gewählt hat.
(19:55 - 20:18)
Manchmal ist es so, dass es diverse Körperteile sind und Körperbereiche, die sehr viel Spannung noch halten. Ich weiß, dass es bei mir immer noch die linke Körperseite ist zum Beispiel. Ich mag diese Arbeit schon eine ganze Weile, aber wenn ich laufe, wenn ich mich vorwärts bewege, merke ich, meine rechte Seite hat so viel mehr Beweglichkeit, so viel mehr Flow.
(20:18 - 20:32)
Und links ist echt noch viel Starrheit. Da ist noch sehr viel Kraft, was gebündelt festgehalten wird. So, jetzt gehen wir ein Stückchen weiter.
(20:33 - 20:56)
Das heißt, da stimme ich einfach nicht zu. Da habe ich das Gefühl, sie verwechselt da vielleicht diverse Ebenen miteinander. Und jetzt ganz oft lesen wir, oder es gibt so viele Tools und so viele Wege und Wünsche zu sagen, wir wollen, versuchen Menschen jetzt ein bisschen zu entspannen.
(20:58 - 21:18)
Ich bin ja so angespannt immer, höre ich auch ganz oft. Das wäre niemals mein Ansatz. Und zwar, wenn wir einen Körper haben, der keinen Halt kennt.
(21:18 - 21:44)
Und ich spreche von dieser organisierten Spannung, von dem gut gebauten Zelt. Wenn der Körper keinen Halt kennt und ganz lange in diesen kompensatorischen Strategien gesteckt hat, kann Entspannung massive Angst auslösen. Ja, das kann sowas sein, wie wenn ich loslasse.
(21:44 - 21:59)
Wenn ich diese Spannung loslasse, da falle ich voll auseinander. Das kann eine absolute Panikattacke auslösen. Alleine sich dem Boden hinzugeben, kann wahnsinnig viel auslösen.
(22:00 - 22:16)
Denn wenn wir immer angespannt waren und denkt nochmal, Halt entsteht schon im Mutterleib, das Gefühl vom Gehalten werden. Und das beobachte ich auch so, so, so oft. Und das haben wir jetzt auch im Züge des Retreats auch nochmal anders beobachten können.
(22:16 - 22:35)
Anna und ich, eine Kollegin von mir, mit der ich das Retreat zusammen gemacht habe. Sich dem Boden hinzugeben, kann eine der most terrifying things of the world sein. Weil wenn wir immer so auf der Hut sind, ja, da ist die Muskulatur nach vorne gerichtet.
(22:35 - 22:44)
Wir wollen so schnell wie möglich aufstehen können. Und wenn ich dir dann sage, ja leg dich hin, gib dich dem Boden hin, entspanne dich. Like it can really blow your system.
(22:46 - 22:58)
So krass ist das. Das heißt, das Nervensystem braucht zuerst Struktur und Halt, bevor echte Anspannung möglich wird. Das macht der Körper dann schon von alleine.
(22:58 - 23:13)
Es braucht aber erstmal, was braucht es erstmal? Sicherheit. Es braucht erstmal ein Urvertrauen, wenn ich loslasse, there is gonna be someone to hold me. Das ist die erste Erfahrung, die passieren muss.
(23:15 - 23:34)
Da wird jemand sein, weil vorher war niemand da. Und wenn ich das wiederholte Male erlebe, erlebe, erlebe, fange ich an, diesen inneren Halt, den ich jetzt von außen bekomme, in mir selber aufzubauen. Die innere Mitte, die innere Stärke, den inneren Halt, das Vertrauen.
(23:37 - 24:15)
Also nochmal, aus einer entwicklungsorientierenden Perspektive und aus der Disregulationsperspektive geht es nie primär darum, Spannung zu lösen, sondern darum, dass der Körper wieder Zugang findet zu dieser organisierten Spannung und ihrem inneren Halt. Oh, vielleicht könnte ich das so mal ausprobieren. Vielleicht könnte ich meine Hand ein bisschen mehr zu Boden sinken lassen, weil ich mich jetzt sicher genug fühle, um das auszuprobieren, weil da ist ein Gegenüber.
(24:17 - 24:28)
Jetzt muss ich nicht mehr permanent zusammenhalten. Warum muss da erstmal ein Gegenüber sein? Because there was no one. Und deswegen haben wir diese kompensatorische Spannungen.
(24:29 - 24:48)
Wir lernen inneren Halt durch den äußeren Halt der Ko-Regulation. Ich glaube, ich habe jetzt das Wichtigste tatsächlich gesagt. Das war das, was mir auch in Bezug auf diesen Post wichtig war.
(24:50 - 25:12)
Sie sagt in diesem Post nicht alles falsch, aber es ist einfach ein bisschen zu viel durcheinander. Und deswegen hatte das irgendwie nicht viel Sinn für meine Kunden, glaube ich, gemacht. Weil wenn wir diese Dinge öfters miteinander besprechen, dann kann das eben ein bisschen Verwirrung mit reinbringen.
(25:13 - 25:26)
Fehlender Halt bedeutet fehlende innere Sicherheit. It's terrifying. Und fehlende Sicherheit ist für ein Nervensystem Stress.
(25:28 - 25:40)
Wenn jemand also sagt, ich habe keinen inneren Halt, was meinen wir damit? Ich fühle mich nicht getragen. Ich kann nichts abgeben. Ich verliere die Orientierung.
(25:40 - 25:50)
Ich muss mich jetzt aber irgendwie zusammenhalten. Ich muss selber dafür sorgen, dass ich nicht auseinanderfalle. Und das bedeutet, ich bin hoch gestresst und ich bin vor allem alleine mit meiner Aktivierung.
(25:59 - 26:24)
Also für mich, also meiner Meinung nach, kann man so Spannung und Stress nicht klar voneinander trennen. So, meine Liebe, das war jetzt mein Senf dazu. Und ich hoffe sehr, dass ich dir heute etwas mitgeben konnte.
(26:24 - 26:44)
Dass du auch ein offenes Auge und offenes Ohr dafür hast, was du in der Außenwelt finden kannst an Nervensystem Education. Hinterfrage Dinge, frage mich super gerne. Ich mache super gerne so Podcasts oder beantworte solche Fragen.
(26:44 - 27:19)
Das ist übrigens das, was wir bei Continuum auch immer machen. Also wenn du Fragen hast, die sich auf deine persönliche Geschichte beziehen, wenn du etwas zu dir selber wissen möchtest, wenn dir etwas nicht klar ist, wenn du mich an deinem Prozess teilhaben lassen möchtest, dann kannst du so gerne einfach in die Continuum Membership kommen. Da beantworte ich in unserem ganz exklusiven Podcast die eingereichten Fragen.
(27:21 - 27:33)
Und ja, da kann ich viel, viel, viel individueller auch auf dich und deinen Weg eingehen. Du kannst super gerne einfach für 37 Euro reinhüpfen. Ich tue dir den Link in die Show Notes rein.
(27:34 - 28:07)
Ja, und ansonsten wünsche ich dir jetzt ein schönes Wochenende. Ich danke dir für deine Zeit, dein Zuhören und wie immer leite sehr, sehr, sehr gerne diese Podcast-Folge weiter an eine Freundin, die vielleicht oft verspannt ist und nach diversen Tools sucht, etwas mehr Entspannung in ihren Körper zu bringen. Übrigens, da fällt mir auch noch was ein, diese fehlende organisierende Spannung oder die Tatsache, dass wir kompensieren müssen.
(28:08 - 28:28)
Vielleicht kennst du das, dass du zur Massage gehst oder zum Osteopathen oder einer anderen manuellen Therapie und dann ist es für eine kurze Zeit okay und dann kommen diese Spannungen immer irgendwann wieder. Das ist genau der Grund. You can't cheat yourself around safety.
(28:29 - 29:07)
Ja, also das ist mir gerade noch so dazu eingefallen, jetzt beim Outro sprechen. Also wenn du jemanden kennst, der von dieser Podcast-Folge, von diesem Wissen profitieren kann, freue ich mich wirklich sehr, wenn du Radically Regulated weitergibst, wenn du den Podcast positiv bewertest, weil das unterstützt meine Arbeit sehr in der Welt der persönlichen Weiterentwicklung und Trauma-Arbeit, Nervensystem-Arbeit auch entdeckt zu werden. Und so können wir gemeinsam eine sehr gute Nervesystem-Education in die Welt tragen.
(29:07 - 29:13)
Ich danke dir dafür und wir hören uns nächsten Freitag. Macht's gut, meine Liebe.
Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.
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