Warum deine Panikattacken nicht weggehen (oder plötzlich auftauchen)

Shownotes

Panikattacken fühlen sich oft so an, als würde etwas im eigenen System völlig außer Kontrolle geraten.

In dieser Folge schauen wir gemeinsam darauf, was wirklich hinter Angst und Panik steckt – und warum dein Nervensystem dabei keine Fehler macht, sondern versucht, dich zu schützen.

Du erfährst, warum Panikattacken eher wie ein Fehlalarm funktionieren, weshalb das Verlassen der Erfahrung den Kreislauf oft aufrechterhält und warum viele Methoden, die schnelle Erleichterung versprechen, langfristig nicht zu echter Regulation führen.

Wir sprechen darüber, was im Nervensystem passiert, wenn Angst entsteht, warum Dissoziation eine sinnvolle Überlebensstrategie ist und weshalb viele Menschen lange funktionieren, ohne ihre innere Aktivierung überhaupt bewusst wahrzunehmen.

Außerdem geht es darum, warum Panikattacken manchmal erst dann auftreten, wenn du beginnst, dich mit deinem Nervensystem auseinanderzusetzen – und warum das kein Rückschritt sein muss, sondern auch ein Zeichen dafür sein kann, dass mehr in dir zugänglich wird.

Ein zentraler Teil dieser Folge ist das Verständnis von Kapazität: also die Fähigkeit deines Nervensystems, Aktivierung zu halten, ohne überwältigt zu werden. Du bekommst ein Gefühl dafür, wie Kapazität entsteht, warum kleine, dosierte Schritte so entscheidend sind und wie echte Regulation im Körper erfahrbar wird.

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Transkript anzeigen

Podcastfolge Panikattacke (online-audio-converter.com)

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(0:02 - 0:18)

Hallo meine Liebe und herzlich willkommen zu der heutigen Podcast-Folge. Und ich hoffe, du kannst mich heute gut hören. Ich sitze jetzt nämlich bei meinen Schwiegereltern im ehemaligen Kinderzimmer meines Mannes.

(0:19 - 0:27)

Ganz schön verrückt. Und die Akustik ist hier ein bisschen anders. Ich hoffe, du kannst mich trotzdem gut verstehen.

(0:27 - 1:14)

Und ja, ich habe in der letzten Zeit wieder etwas gesehen, das mich ehrlich gesagt nicht überrascht, aber trotzdem beschäftigt. Und ich möchte diesen Podcast, so wie ich das bereits einige Male getan habe, weiterhin dafür nutzen, um aufzuklären. Um mit dir hier gemeinsam Dinge, die du liest, die du im Internet findest, die sonst überall rumschwirren, gemeinsam differenzierter zu betrachten und auch um leider den verbreiteten Unsinn rund um das Nervensystem ein Stück weit zu glätzen.

(1:14 - 1:38)

Weil wir brauchen dieses Wissen und wir brauchen diese Arbeit. Aber damit sie ihre Wirkung entfalten kann, müssen wir wirklich richtige, nenne ich das jetzt mal so Nervous System Work, mit Quatsch unterscheiden können. Und heute geht es mir um das Thema Panikattacken.

(1:38 - 2:19)

Und ganz konkret auch darum, dass ich neulich ein Reel gesehen habe, das extrem gefeiert wurde von ganz vielen, in dem aber aus meiner Sicht ganz, ganz klassisches Bypassing vermittelt wird. Und deswegen möchte ich mir heute die Zeit nehmen und mit dir gemeinsam wirklich anzuschauen, was ist eigentlich eine Panikattacke? Was ist es überhaupt? Warum hatte ich zum Beispiel lange Zeit gar keine Panikattacken? Das war eigentlich nie mein Thema. Es wird also auch eine spannende Podcast-Folge für dich, gerade wenn es auch nicht dein Thema ist.

(2:20 - 2:45)

Bleib bitte gerne dran. Und vor allem auch, wie können wir wirklich mit unserem Nervensystem arbeiten, sodass Panik nicht nur weniger bedrohlich wird, dass sie dich nicht so ausknockt sozusagen, sondern langfristig tatsächlich auch aus deinem System verschwinden kann. Und darum soll es heute gehen.

(2:59 - 4:38)

Okay, worum ging es also in diesem besagten Reel? Da ging es darum, dass eine Person bei sich gemerkt hat, okay, da geht es gerade los, da fängt es bei mir gerade an und konnte halt beobachten, wie sie sich in ihre Gedankenspirale hineinkatapultiert und hatte dann geschafft, diese Gedanken umzulenken und anstatt in ein Worst-Case-Szenario weiter hineinzugehen, sich in einen Ort imaginär hineinversetzt hat, wo Best-Case-Szenario auftritt, wo sie voller Vertrauen ist und so weiter und so fort. Also es ging darum, dass die Person bei sich im Körper gemerkt hat, okay, wow, das, was da gerade hochkommt, das ist eine Panikattacke, das ist überwältigend, oh, da ist eine Idee, ich habe jetzt eine Strategie, ich verlasse jetzt diesen Ort und gehe imaginär, ich gehe in eine Illusion rein, wo alles gut ist und damit habe ich meine Panikattacke im Griff gehabt, ja, damit ist diese Panikattacke beendet worden. So, ja, ich glaube, auf den ersten Blick kann es sinnvoll wirken, oder? Wir sind es losgeworden, es funktioniert.

(4:39 - 5:36)

Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie kommen wir eigentlich auf die Idee, dass durch das Verlassen unserer Realität, von dem Hier und Jetzt, wir uns anschließend in ihr sicherer fühlen können. Wie soll das funktionieren, wenn ich doch jedes Mal, wenn ich hier, März 26, um 11.47 Uhr, etwas erlebe, was mich überwältigt, und mich jedes Mal, wenn mich etwas überwältigt, ich mich in eine Illusion hineinkatapultiere, um mein System zu beruhigen. Wie soll mir das helfen, zukünftig im Hier und Jetzt zu bleiben? Das ist schon die erste Frage.

(5:37 - 6:06)

Wie soll das gehen? Denn ich würde behaupten, es ist ein Wunsch von jeder einzelnen Person, dass wir eigentlich das Leben hier, ja, was wir erleben aus Fleisch und Blut, ja, und Gedanken und Gefühlen und Emotionen eigentlich genießen wollen. Wir wollen eigentlich hier sein. Wir wollen Zeit mit Freunden verbringen, mit unseren Kindern verbringen, mit unseren Projekten verbringen, mit unseren Unternehmungen verbringen.

(6:06 - 6:37)

Wir wollen doch alle hier sein, im Hier und Jetzt. Wie soll es also helfen, das Jetzt zu verlassen, und im Jetzt besser sein zu können? So, das habe ich jetzt ein bisschen doppelt gemoppelt gesagt. Aber es ist ein riesen Missverständnis, denn diese Form von Erleichterung, wenn ich kurzfristig eine Situation verlasse, die mich überfordert, ist keine Regulation.

(6:38 - 6:59)

Das ist ein Unterbrechen einer Erfahrung. Und meiner Meinung nach damit eine verpasste Möglichkeit, verpasste Chance, dass sich das Nervensystem neu organisieren kann mit dieser Erfahrung. Wir verpassen es.

(7:00 - 7:31)

Weil wir woanders hingehen. Und das ist so ein geiler Mechanismus sozusagen, und ich möchte das gar nicht in dem Sinne negativ reden, denn jeder braucht irgendwie eine Krücke, und jeder braucht vielleicht einen Schwimmring. Aber wir können nicht sagen, hier ist ein Schwimmring, und ich werde das aber so framen und so verkaufen, und ich glaube, das Titel von diesem Reel ist Nie wieder Panikattacke, und hier ist dein Cheatcode.

(7:32 - 7:55)

Und dann wird so ein Tool angeboten. Das wird nie funktionieren. Denn um zu verstehen, warum Panik immer wieder wiederkehrt, warum du also immer wieder diesen Tool brauchen solltest, damit wir das verstehen, ist es notwendig, einen Schritt erst mal zurückzugehen und sich die zugrunde liegende Mechanik anzuschauen, Biologie, Physiologie anzuschauen.

(7:57 - 8:26)

Lass uns also kurz gucken, was ist eine Panikattacke? Eine Panikattacke könnten wir definieren als eine sehr intensive Aktivierung des Nervensystems, bei dem ein angeborenes Alarmprogramm ausgelöst wird. Das kennst du, ja? Fight, flight, freeze. Dieses Programm dient ursprünglich dem Überleben.

(8:27 - 8:56)

Es ist sinnvoll, es ist gesund, dieses Programm zu haben. Wir wollen es haben, ja? Wir wollen, dass der Körper mobilisiert wird und in Sekundenbruchteilen für Kampf oder Flucht bereit ist, dadurch, dass die Herzfrequenz erhöht wird, dass die Atmung beschleunigt wird und dass die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren gerichtet wird. Ja, das ist das, was wir machen, wenn wir über die Straße gehen wollen und merken, oh, ich muss jetzt den Schritt doch zurückgehen, das Auto ist zu schnell.

(8:58 - 9:18)

Das ist eine schnelle Aktivierung des Systems. Das heißt, das Problem ist nicht die Reaktion an sich, sondern der Kontext, in dem sie auftritt. Weil bei einer Panikattacke wird dieses Programm ausgelöst, obwohl im gegenwärtigen Moment keine reale Bedrohung besteht.

(9:20 - 9:56)

Das heißt, dein Nervensystem oder das Nervensystem reagiert in dem Moment auf etwas, was nicht mehr im Hier und Jetzt stattfindet. Und häufig kommt es davon, dass wir in unserem Körper so viel von dem nicht integrierten und nicht verarbeiteten Stress tragen, dass das System nicht mehr kompensieren kann. Ja, mein Lieblingsbeispiel dafür, und das hast du von mir schon eine Million Mal gehört, ist wirklich dieses Glas mit den Bällen.

(9:56 - 10:21)

Das Glas ist dein Nervensystem, die Bälle sind diese ganzen abgespeicherten Überlebenserfahrungen, die du nie vollenden konntest. Und irgendwann ist das Glas so voll, dass du denkst, boah, ich muss jetzt mein Projekt hier bis Freitag 13 Uhr abgeben. Das heißt, es kommt ein Stressor, es kommt ein Bällchen obendrauf und du kannst nicht mehr.

(10:22 - 10:31)

Das System feuert völlig. Weil es einfach gar keinen Raum mehr hat, um diesen neuen Ball aufzunehmen. Es ist zu viel.

(10:32 - 10:46)

Man kann auch noch eine andere Analogie nehmen. Man könnte sagen, es ist wie so ein Rauchmelder, der extrem sensibel eingestellt ist. Und er erfüllt ja grundsätzlich seine Funktion, aber er schlägt auch dann Alarm, wenn kein Feuer vorhanden ist.

(10:46 - 11:06)

Beides ist blöd. Und natürlich macht das Sinn, weil in dem Moment, in dem wir in der Panikattacke sind, ist diese Aktivierung so stark, dass wir sie nicht mehr bewältigen können. Die fühlt sich so an, das kann ich jetzt nicht bewältigen.

(11:07 - 11:26)

Und natürlich ist die logische Reaktion dann zu sagen, ich möchte meinen Rauchmelder schnellstmöglich zum Schweigen bringen oder ich haue hier ab aus der Situation. Das ist das, was da in diesem Reel gezeigt wird. Aber genau hier entsteht ein Kreislauf.

(11:28 - 11:50)

Nochmal, weil indem ich diese Erfahrung immer wieder verlasse, dann kann dein Nervensystem keine korrigierende Information bekommen. Das kann nicht korrigiert werden. Diese Kopplung kann nicht korrigiert werden, dass im aktuellen Moment keine Gefahr besteht.

(11:51 - 12:19)

Und dass dieser Zustand auch ohne Flucht abklingen kann. Deswegen, meiner Meinung nach, der erste und wichtigste Schritt, um mit Panikattacken oder allen anderen Symptomen zu arbeiten, besteht nicht in der Kontrolle der Reaktion. Weil was mache ich? Wenn ich abhaue, dann habe ich es ja kontrolliert.

(12:19 - 12:23)

Oh, da kommt was hoch. Ich kann da irgendwie abhauen. Ich dissoziiere.

(12:24 - 12:30)

Ich ballere mich in einer Welt hinein. Entschuldige die Ausdrucksweise. Ja, I go into the illusion.

(12:31 - 12:56)

Und dann habe ich das kontrolliert. Aber der erste Schritt kann doch niemals so etwas sein, sondern eher ein Verstehen unserer Physiologie. Denn wenn wir begreifen, dass es nichts ist außer eine fehlgeleitete, aber grundsätzlich sinnvolle Schutzreaktion, dann kann ich meine Beziehung zu dieser Erfahrung verändern.

(12:59 - 13:25)

Wie oft habe ich bereits in der Klinik von meinen Patienten damals, das ist jetzt wirklich Jahre her, als ich angefangen habe, denen überhaupt zu erklären, dass wir sowas wie Fight, Flight und Freeze haben, da saßen die da mit weit aufgerissenen Augen und sagten, boah, Frau Rauschen, jetzt verstehe ich, was in mir passiert. Da bin ich nicht kaputt. Dann ist an mir nichts falsch.

(13:26 - 13:30)

No, it's not. Of course not. Dein Glas ist verdammt voll.

(13:31 - 14:14)

Du hast nie gelernt, wie du dich regulieren kannst, weil du nie Co-Regulation erfahren hast, die ausreichend verfügbar war und zuverlässig verfügbar war. Das heißt, wir müssen unsere Physiologie kennenlernen und dann auf dieser Grundlage wird es möglich, schrittweise eine andere Form des Umgangs zu entwickeln und zwar nicht durch Weggehen und Abhauen, sondern durch einen sehr vorsichtigen und dosierten Kontakt mit der eigenen Erfahrung, in dem Körper nämlich lernen kann, dass Sicherheit auch innerhalb der Aktivierung wieder hergestellt werden kann. Ja, das ist das Erste.

(14:14 - 15:27)

Ich hoffe, dass das ein verständlicher Teil ist, was die Panikattacke jetzt ist und warum es wichtig ist, dass wir das verstehen. Und es gibt derzeit auch viele Ansätze, die vermitteln, dass sich eine Panikattacke andersrum, wenn ich mental meine Panikattacke unterdrücken kann oder wenn ich mental dafür sorgen kann, dass ich aus einer Panikattacke irgendwo anders hingehe, dann kannst du dir das so vorstellen, du hast immer wieder so ein bisschen von dem Ball, was reingehen will in dein Glas, dann hast du den umgelenkt sozusagen. Du hast aber überhaupt nicht gewirkt, dass dein Glas größer wird, also mehr Kapazität da ist oder dass da weniger Bälle drin sind und du hast vor allem auch nicht dafür gesorgt, dass dieser Ball der Panikattacke nicht immer wieder reinkommt, immer wieder erscheint sozusagen.

(15:30 - 15:59)

Nochmal ganz kurz zu diesen Bällen. Warum sind die Bälle überhaupt in unserem Glas? Und warum weiß unser System überhaupt nicht, wie ich mit der Aktivierung umgehen kann? Warum wird diese Aktivierung überwältigend? Die Fähigkeit zur Regulation und unsere Kapazität mit inneren Zuständen umzugehen, ist nicht zufällig. Die muss gelernt werden.

(16:01 - 16:30)

Ja, und nochmal, wenn emotionale oder körperliche Zustände zu intensiv für uns waren, denk an ein Baby, und wir keine ausreichende oder zufällige Unterstützung bekommen haben, dann bestand eine der wenigen Möglichkeiten darin, sich innerlich zu distanzieren. Und ein Baby kann nicht weggehen. Was ich aber machen kann, ich kann mich komplett von mir entkoppeln.

(16:30 - 16:55)

Das ist dieser dissoziativer Prozess, von dem ich gesprochen habe. Und ich glaube, dass wenn dieses Rezo angeleitet wird, ist es vielleicht die Strategie, ich weiß es nicht, vielleicht die Strategie der Person, die dann weiterhin genutzt wird, ohne dass eine tatsächliche Integration stattfinden kann. Das kann sich nicht integrieren.

(16:55 - 17:25)

Nochmal, dieser Ball wird immer wieder kommen, und ich verändere nichts an meinem Glas, an der Größe vom Glas oder an den Bällen. Dann möchte ich noch einmal ganz kurz den Aspekt ansprechen, der in diesem Zusammenhang sehr häufig irritieren wirkt. Und zwar, ich habe doch kein Problem mit Panikattacken, oder ich hatte nie Panikattacken.

(17:26 - 17:38)

Aber eigentlich, wenn ich der Isa hier so zuhöre, über Monate hinweg und diesen Podcast, da denke ich mir, hey, ich müsste doch irgendwie so viel Survival Stress schon haben. Oder ich verstehe das ja inzwischen. Aber ich habe irgendwie keine Panikattacken.

(17:41 - 18:06)

Und dann aber, was passiert, und das war tatsächlich die Erfahrung einer meiner Mentorinnen auch, dass Panikattacken erst dann auftreten, wenn man beginnt, sich intensiver mit dem eigenen Nervensystem auseinanderzusetzen. Ich gebe dir ein Beispiel. Viele Menschen sind hochfunktional heutzutage.

(18:07 - 18:20)

Wir sind verdammt gut im Kontrollieren von dem, wie wir auftreten, was man von uns sehen soll, was man von uns nicht sehen soll, was wir sagen, was wir nicht sagen. Wir sind fleißig, diszipliniert. Wir können ihnen alles Mögliche abliefern.

(18:21 - 18:41)

Die moderne, high-functioning, functional-free woman. Und die sagt, ich kenne keine Angst- und Panikzustände. Das Funktionieren aber, die Funktionalität, ist nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass keine Aktivierung im System vorhanden ist.

(18:44 - 19:05)

Ganz im Gegenteil. Ganz oft bedeutet das, dass die Aktivierung, die da drunter ist, und die mich eben so vorantreibt, und warum muss ich alles kontrollieren? Weil das hilft mir, mich selber zu containen. Wenn ich mich verletzlich zeige, wenn ich verletzlich werde, wenn ich Dinge liegen lasse, sage ich, I'm gonna be a puddle.

(19:06 - 19:22)

Ich zerfließe vollkommen. Das heißt, die Aktivierung ist im System, aber die ist innerlich so abgespalten, dass wir die gar nicht wahrnehmen können. Da ist so ein gewisser innerer Abstand.

(19:23 - 19:46)

Und das ist so ein Muster von Anspannung und Kontrolle. Und darüber versucht das Nervensystem, eine scheinbare Stabilität aufrechtzuerhalten. Und jetzt ist es so, dass wir anfangen, aber eben diesen inneren Abstand zu uns selbst durch die Nervensystemarbeit zu verkleinern.

(19:48 - 20:02)

Ich komme immer mehr in Kontakt zu meinem eigenen Erleben. Ich fange an, meine Interzeption fängt an, sich zu shiften. Sie verändert sich.

(20:02 - 20:25)

Ich werde feinfühliger für die Signale meines Körpers. Und zack, kann auch dann die bislang gebundene Aktivierung zugänglicher werden und an die Oberfläche kommen. Das heißt, das, was zuvor im Hintergrund gehalten wurde, tritt jetzt richtig in den Vordergrund.

(20:27 - 20:44)

Und das ist ganz wichtig zu wissen. Stell dir mal vor, dieses Glas ist so voll und ich habe echt die geilste Methode gefunden, einen Deckel da drauf zu halten. Und dann lerne ich langsam, wie kann ich diesen Deckel so ein bisschen abmachen.

(20:46 - 21:01)

Und dann tritt diese Energie, diese Wucht an Aktivierung an die Oberfläche. Und das ist wirklich sehr wichtig zu verstehen, weil wir dann oft denken, boah, hier läuft gerade etwas schief. Ich hatte keine Panikattacken.

(21:01 - 21:22)

Wieso habe ich jetzt Panikattacken? Sondern das ist ein sehr, sehr, sehr guter Hinweis darauf, dass das Nervensystem beginnt, die zuvor gebundene Energie wahrnehmbar zu machen. Und es entsteht natürlich mehr Durchlässigkeit im System und aber auch damit Zugang zu Zuständen, die wir bisher nicht bewusst erleben konnten. Und das ist ganz wichtig.

(21:24 - 21:41)

Diese Aktivierung ist also nichts, was neu erzeugt wird, sondern diese Aktivierung ist etwas, was bereits vorhanden war und lediglich wird es jetzt spürbarer. Und das ist tatsächlich Story of my life. Ich hatte immer gedacht, ich habe keine Panikattacken.

(21:42 - 22:02)

Ich konnte das nie verstehen. Mir ging es trotzdem elendschlecht. Also ich hatte ganz viel so emotional pain und ich hatte ganz viel von so einem Flip-Flop zwischen ich bin voll high und ich schaffe das alles und dann so ein Kollaps von depressiv.

(22:02 - 22:15)

Ganz stark also eben diesen Pendel, diese extremen Zustände. Und hatte immer sehr viel emotionalen Schmerz. Das war so mein Pattern.

(22:15 - 22:39)

Und konnte überhaupt nicht sagen, warum. Und ich wusste einfach, something is just wrong with me, with the world, with whatever, with me in erster Stelle. Und das allererste Mal, als ich eine Panikattacke hatte, beziehungsweise das allererste Mal, dass mir jemand gespiegelt hat, das war eine Panikattacke.

(22:39 - 22:51)

Das ist ja gerade gar nicht so lange her. Das ist, glaube ich, zwei Jahre her. Jetzt würde ich unterbrochen.

(22:51 - 23:01)

Meine Schwiegermama hat geklopft. Sie passt gerade auf meine Kleine auf. Jetzt bin ich ein bisschen aus dem Konzept gebracht worden.

(23:02 - 23:11)

Nichtsdestotrotz weiß ich, wo ich dran war. Und zwar das erste Mal, dass mir gespiegelt oder gesagt wurde, hey, das ist eine Panikattacke. Das ist gar nicht so lange her.

(23:12 - 23:33)

Und das war tatsächlich so, dass ich einen ganz kurzen Moment hatte, wo ich so dachte, am liebsten würde ich mich hier verstecken. Und dann hatte ich eine ganz starke körperliche Reaktion. Und das war tatsächlich etwas, was ich erst im Nachhinein verstanden habe, dass ich bis jetzt immer diese Panikattacken hatte.

(23:34 - 23:54)

Das war da, wo ich so zerflossen bin, sozusagen. Aber weil ich damals die Angst nicht spüren konnte, weil das zu überwältigend für mein System war, konnte ich gar nicht wissen, dass ich eine Panikattacke habe. Ich hatte natürlich so eine Vorstellung, Panikattacke ist nur, ich habe die ganze Zeit Angst und renne im Kreis.

(23:55 - 24:07)

Und das war bei mir aber so. Ich konnte mich so da gar nicht irgendwie zuordnen. Und ich glaube, der Hauptgrund dafür war, dass ich einfach nicht diese Angst nicht spüren konnte.

(24:07 - 24:14)

Das war zu viel. Und trotzdem waren diese Reaktionen da. Also es ist ganz, ganz, ganz spannend.

(24:15 - 24:35)

Je mehr wir in Kontakt mit uns selber kommen, umso mehr werden wir die Dinge wahrnehmen, die wir so verdammt gut verstecken konnten. Ja. Also nochmal, das ist dann keine neue Aktivierung, sondern das ist das, was immer da war und jetzt an die Oberfläche kommt.

(24:37 - 25:25)

Ja. Und eigentlich, und das ist da, wo everybody hates me, eigentlich ist es was ganz Gutes, weil das bedeutet, dass wir aus dieser Starrheit und dieser absoluten Kontrolle, ich mache gerade so roboterhaft mit meinen Armen, das kommt mir gerade so als Bild dazu, aus dieser starren Kontrolle mehr in Richtung Lebendigkeit und Beweglichkeit gehen. Und jetzt ist der entscheidende Punkt, damit dieser Prozess tatsächlich unterstützen wirkt, ist die Art und Weise entscheidend, wie wir mit dieser Aktivierung umgehen.

(25:27 - 25:38)

Ja. Wenn die Intensität nämlich zu hoch wird, dann kommen wir immer wieder in eine Überforderung. Das ist das, was ich meinte, dass wir einen Kreislauf kreieren.

(25:38 - 25:42)

Oh, hier kommt eine balde Panikattacke. Okay, I'm out. Oh, guck mal, hier ist ein Vogel.

(25:42 - 26:13)

Da lenke ich mich total ab. Okay, das heißt, ich breche komplett den Kontakt zu meinem Erleben ab, weil es zu sehr überfordert. Aber erfolgt der Kontakt in kleinen dosierten Schritten und in Verbindung mit einer ausreichend stabilisierenden Erfahrung, das hört sich jetzt total therapeutisch an, ich sage das gleich ein bisschen einfacher, kann das Nervensystem beginnen zu lernen, dass diese Energie, diese Aktivierung nicht gefährlich ist.

(26:13 - 26:18)

Das ist es ja. Die Gefahr wird da rausgezogen. Es ist nicht mehr so lebensgefährlich.

(26:19 - 26:36)

Es ist einfach nur ein Schlagen des Herzens und flacher Atem und heiße Hände und enger Blick. Aber es ist nicht mehr lebensgefährlich. Das heißt, was wir brauchen, wir brauchen einen Kontakt zu diesem Erleben in kleinen Häppchen.

(26:37 - 26:48)

Das ist das, was wir immer Titration nennen. Wir müssen aber auch die Fähigkeit haben, mal da so ein bisschen reinzugehen und wieder rauszugehen. Das ist das, was ich immer wieder sage.

(26:49 - 27:06)

Wenn du in den Pool willst und aber spanische Angst vor Wasser hast, dann springst du nicht volle Lolle rein. Da gehst du erst mal und machst eine Fingerkuppe rein und dann pendelst du dich wieder raus. Dann machst du beim nächsten Mal vielleicht die halbe Hand rein und dann gehst du wieder raus.

(27:07 - 27:18)

Das heißt, du musst das so dosieren, wie dein System damit gerade umgehen kann, ohne dass du überwältigt wirst. Das nennen wir Pendeln und Titration. Das sind die Grundprinzipien dieser Arbeit.

(27:20 - 27:29)

Ja? Ich würde nicht sagen, ich würde gerne in den Pool springen. Ich habe spanische Angst vor Wasser. Also stelle ich mir jedes Mal vor, wenn ich am Wasser vorbeilaufe, ich bin auf einer Wüste.

(27:29 - 27:48)

Das würde mir nicht helfen, besser schwimmen zu können. Ja? So. Das heißt, wir wollen so eine gewisse Aktivierung, gewissen Kontakt haben mit diesem Erleben, aber eben in kleinen Häppchen.

(27:50 - 28:03)

Ja? Und wenn diese Erfahrung dann immer wieder gemacht wird, dann kann das Nervensystem Aktivierung aufnehmen, verarbeiten, integrieren. Das ist sehr wichtig. Und dann wieder in die Ruhe zurückfinden.

(28:04 - 28:33)

Wenn ich meinen Finger ins Wasser tunke und merke, oh krass, okay, das ist das Wasser, aber hier ist mein Popo und hier ist der sonnige Tag und ich bin hier und es ist März 26. Oh, und da ist das Wasser. Oh, I can be with it.

It's okay. Dann kann mein System das integrieren und beim nächsten Mal, wenn ich meinen Finger oder meine Hand ins Wasser lege, wird mich das nicht mehr jucken, sozusagen. Dann kann ich Richtung Ellenbogen gehen und merken, oh, das ist jetzt aber ein bisschen mehr.

(28:33 - 28:39)

Das fühlt sich anders an. Ah, okay, krass. Ich gebe mir Zeit, um das zu integrieren.

(28:39 - 28:55)

Beim nächsten Mal, klar, lege ich meine Arme bis zu den Ellenbogen da rein. Ja, bis ich irgendwann in diesem Wasser stehen kann, sozusagen. Das heißt, wir müssen auf jeden Fall diese Überforderung vermeiden.

(28:56 - 29:22)

Trotzdem kann es aktivierend sein, aber dadurch lernt das System, I can be with it und dann kann ich wieder runterfahren. Okay, also zentraler Aspekt ist immer die Dosierung, nicht Konfrontation mit maximaler Intensität. Ganz wichtig, weil wenn wir auch, das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt, wenn wir nicht wissen, wie klein diese Arbeit ist, dann denken wir manchmal, wir machen gar nichts.

(29:23 - 29:47)

Und wir tendieren dazu selber, bin der Standard, mit maximaler Intensität in irgendwas reinzugehen. Ja, so. Ich glaube, das sind die wichtigsten Dinge, die ich eigentlich dazu sagen wollte.

(29:48 - 29:56)

Also nochmal, nimm diese Parallele mit dem Schwimmen. So kann ich Kapazität aufbauen. So geht Kapazitätaufbau.

(29:56 - 29:59)

Wir haben eine Pendelbewegung zwischen Aktivität und Kapazität.

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